Geschriebenes von anderen, was ich gut finde und gern teilen will.

1 .

Aus dem Diskussionspapier einer Berliner Prolo-Lesben-Gruppe:

„Eine typische Reaktion unserer bürgerlichen Freundinnen auf das Thema Prolos und Nicht-Prolos“ war: „Was – Du Prolo – das merkt man Dir gar nicht an“- das ist als Kompliment gemeint, als ob wir stinken müßten oder sowas.“

2.

„Class mobility is living in different worlds with different
languages. Class mobility is different worlds living in you with
different values, different wants, different demands“

„Klassenmobilität heißt in verschiedenen Welten leben mit verschiedenen Sprachen. Klassenmobilität heißt mit verschiedenen Welten in Dir leben, mit verschiedenen Werten, verschiedenen Bedürfnissen, verschiedenen Anforderungen“

(N. Hart – The NEW! IMPROVED! classless society. In J. Penelope (Ed), Out of the class closet: Lesbians speak)

3.

„That fact, the inescapable impact of being born in a condition of poverty that this society finds shameful, contemptible, and somehow deserved, has had dominion over me to such an extent that I have spent my life trying to overcome or deny it“

„Diese Tatsache, der unumgängliche Einfluss davon in einem Zustand von Armut aufzuwachsen, den diese Gesellschaft beschämend, verachtenswert und als irgendwie verdient ansieht, hat eine derart weitreichende Herrschaft auf mich ausgeübt, dass ich mein Leben damit verbracht habe ihn zu überwinden oder zu leugnen“

(D. Allison, Skin: Talking about sex, class and literature)

4.

„Allison writes of trying to figure out how her parents could have worked so long and so hard and yet they were still poor. This is a complex puzzle for a child who has also believed the myth that people are treated fairly and hard work is rewarded.“

„Allison schreibt über den Versuch herauszufinden, wie ihre Eltern so lange und so hart arbeiten konnten und immer noch arm waren. Dies ist ein komplexes Rätsel für ein Kind, das auch an den Mythos glaubt, dass Menschen gerecht behandelt werden und harte Arbeit belohnt wird.“

(G. M. Russel, Internalized Classism: The Role of Class in the Development of Self)

5.

„If class is reduced exclusively to a personal issue, there is no possibility of addressing class as a political issue and, therefore, no consideration of issues of justice.“

„Wenn Klasse zu einem rein persönlichen Thema reduziert wird, dann gibt es keine Möglichkeit, Klasse als politisches Thema zu adressieren und somit auch keine Berücksichtigung der Frage nach Gerechtigkeit.“

(Hart, zitiert nach Glenda M. Russel, Internalized Classism:
The Role of Class in the Development of Seif [Verinnerlichter Klassismus, die Rolle von Klasse in der Entwicklung des Selbst])

6.

„Outside the language of Marxism, we essentially lack a rhetoric for class. In fact, money-one very important basis for class-is viewed as a taboo subject for discussion[…]. Having more developed rhetorics for sexism and racism has not necessarily reduced the negative impact of those phenomena, but it has given us greater possibilities for clarity in both perception and communication about them.“

„Außerhalb von der Sprache des Marxismus, fehlt uns ein grundlegender Sprachgebrauch für Klasse. Tatsächlich ist Geld – eine wichtige Basis für Klasse – ein Tabuthema in Gesprächen [..]. Einen erweiterten Sprachgebrauch bezüglich Sexismus und Rassismus zu entwickeln hat nicht unbedingt die negativen Auswirkungen dieser Phänomene reduziert, uns aber bedeutende Möglichkeiten für Klarheit gegeben, sowohl in der Wahrnehmung als auch im Austausch über sie.“

(Glenda M. Russel, Internalized Classism:
The Role of Class in the Development of Seif [Verinnerlichter Klassismus, die Rolle von Klasse in der Entwicklung des Selbst])

7.

„Sometimes, the specific negative tone in intemalized classism seems directly to reflect a myth about being poor or working class that a person has „taken in“ and applied to herseif. Shame seems to be a nearly ubiquitous aspect of intemalized classism. Put another way, shame may be one of the prices paid for membership in poor/working classes (Alicen, 1994; Chaney, 1994). The presence of shame is hardly surprising when one considers the nature of what is said-and what is thought without being said—about poor people. Shame is hardly surprising when one considers how it feels to not have enough and to go without, especially when others do seem to have enough.“

„Manchmal scheint der spezifisch negative Unterton von verinnerlichtem Klassismus eine direkte Wiedergabe von den Mythen über die Armuts- oder Arberiter_innenklasse zu sein, die eine Person verinnerlicht hat und auf sich selbst anwendet. Scham schein ein nahezu universeller Aspekt von verinnerlichtem Klassismus zu sein. Anders gesagt, Scham ist eventuell der Preis, der für die Zugehörigkeit zur Armuts- oder Arbeiter_innenklasse gezahlt wird. Die Präsenz von Scham ist wenig verwunderlich, wenn die Art bedacht wird, wie über Menschen in Armut gesprochen wird – oder was unausgesprochen gedacht wird, ohne es zu sagen. Scham überrascht auch nicht, wenn bedacht wird, wie es sich anfühlt nicht genug zu haben und zu verzichten, vor allem, wenn andere genug zu haben scheinen.“

(Glenda M. Russel, Internalized Classism:
The Role of Class in the Development of Seif [Verinnerlichter Klassismus, die Rolle von Klasse in der Entwicklung des Selbst]

8.

„Es gibt Student_innen, die während ihrer Studienzeit als Pfleger_innen arbeiten. Aber macht sie das zu einem Teil der Arbeiter_innenklasse? Sobald sie einmal mit ihrem Diplom in der Hand dastehen, werden sie nie wieder die Scheiße anderer Menschen wegputzen. Sie ergreifen Berufe, die erfüllend, spannend und interessant sind.“

(Mit geballter Faust in der Tasche, Audio unter http://cba.fro.at/58490)

9.

„Es ist um einiges leichter sich über das Phänomen Klasse mit Leuten zu unterhalten, die deinen Hintergrund teilen. Klassen sind am deutlichsten von unten auszumachen […] die meisten Privilegierten sehen ihre Privilegien nicht. Auf die gleiche Weise, wie der Mann sich zur Norm für die gesamte Menschheit gemacht hat, hat sich die Mittelklasse zur Norm unserer Gesellschaft gemacht.“

(Mit geballter Faust in der Tasche, audio unter http://cba.fro.at/58492)

10.

„Es ist um einiges leichter sich über das Phänomen Klasse mit Leuten zu unterhalten, die deinen Hintergrund teilen. Klassen sind am deutlichsten von unten auszumachen […] die meisten Privilegierten sehen ihre Privilegien nicht. Auf die gleiche Weise, wie der Mann sich zur Norm für die gesamte Menschheit gemacht hat, hat sich die Mittelklasse zur Norm unserer Gesellschaft gemacht.“

(Mit geballter Faust in der Tasche, audio unter http://cba.fro.at/58492)

11.

„Ein weiterer Unterschied, zwischen Leuten aus der Mittelklasse und der Arbeiter_innenklasse besteht in der Bedeutung, die Äußerlichkeiten beigemessen wird. für Menschen, die sich ihrer gesellschaftlichen Positionen und ihres individuellen Werts sicher sind, sind materielle Statussymbole nicht besonder wichtig, besonders wenn sie links orientiert sind. Sie pfeifen auf die neueste mode und schicken ihre Kinder lieber auf Sprachreisen und Studienjahre im Ausland.
Arbeiter_innen hingegen wollen in der Regel gute, neue Sachen haben. Alte, abgenutzte Sachen werden als Zeichen von Armut gesehen, sie sind peinlich. Wenn Arbeiter_innen trotzdem im second hand-Laden einkaufen gehen, dann deshalb, weil es billig ist, nicht weil es zum Lebensstil gehört. Ein Autor [..] schreibt, dass die Angehörigen der Bohéme mit ihren kaputten und geflickten Kleidern praktisch immer aus der Mittelklasse oder der oberen Mittelklasse kommen.“

(Mit geballter Faust in der Tasche, audio unter http://cba.fro.at/58492)

12.

„Wealthy people rarely talk about money, revealing, to my mind, shame about privilege, an expectation of being heard through the lens of envy or anger, and a habit of security that makes it possible to ignore the topic. Middle class clients are generally matter-of-fact about paying bills, and not paying may well be symbolic in some way. […] Those with few economic resources sometimes avoid both paying and talking about the problem. That avoidance is, in my experience, more likely to symbolize feeling helpless about money (and perhaps resentflul about the cost of therapy) than to signify feelings about therapy per se.
On the other hand, many people from working class or poor backgrounds are particularly conscientious about paying me, because they know the importance of getting paid for one’s work and feel pride in their ability to pay their bills. I negotiate fees with clients, and I‘ve often found that those with more (but limited) resources are fairly comfortable paying less than füll fee, assuming entitlement to such beneflts. People with less money can find it very hard to take what they perceive as „charity,“ and I have sometimes found myself in the odd position of talking someone into paying me less.“

„Wohlhabende Leute reden selten über Geld, und lassen damit, meiner Meinung nach, Scham über ihre Privilegien erkennen, eine Erwartung durch eine Neid- oder Ärger-Brille betrachtet zu werden und einer Gewohnheit an Sicherheit, die es möglich macht, das Thema zu ignorieren. Mittelklasse-Klient*innen sind allgemein sachlicher beim Bezahlen von Rechnungen, und nicht zu zahlen kann auf eine Weise symbolisch sein. […] Die, mit weniger ökonomischen Ressourcen vermeiden sowohl die Bezahlung als auch über das Thema zu reden. Diese Vermeidung ist, meiner Erfahrung nach, eher symbolisch für ein Gefühl der Hilflosigkeit bezogen auf Geld (und wahrscheinlich Wut über die Kosten von Therapien) als eine Aussage über Gefühle gegenüber Therapien generell.
Auf der anderen Seite sind viele Leute mit Armuts – oder Arbeiter*innenklassenhintergrund besonders gewissenhaft bei meiner Bezahlung, weil sie wissen, wie wichtig es ist für die eigene Arbeit bezahlt zu werden und sind stolz, in der Lage zu sein, ihre Rechnungen zu bezahlen. Ich verhandle Preise mit meinen Klient*innen, und ich habe oft erlebt, dass es für die, mit mehr (aber limitierten) Ressourcen, ziemlich angenehm war, weniger als den vollen Preis zu zahlen, weil sie sich zu solchen Ermäßigungen berechtigt fühlten. Leute mit weniger Geld können es sehr schwierig finden, das, was sie als Almosen empfinden, anzunehmen, und ich habe mich schon in der komischen Situation befunden, jemanden zu bereden, weniger zu zahlen.“

(Classism and feminist therapy)