CLASS MATTERS Clara Rosa schreibt über Klassismus 2013-05-08T08:13:26Z Copyright 2013 WordPress Administrator <![CDATA[Keine Streichung finanzieller Mittel für die Gesundheit von Lesben, Bisexuellen und trans*]]> http://clararosa.blogsport.de/2013/05/08/keine-streichung-finanzieller-mittel-fuer-die-gesundheit-von-lesben-bisexuallen-und-trans/ 2013-05-08T08:09:14Z 2013-05-08T08:09:14Z Allgemein Hinweise Werte Lesende –

an dieser Stelle der Hinweis auf eine Petition der Lesbenberatung in Berlin.

Die Lesbenberatung ist – in my humble opinion – eine der wichtigsten Impulsgeber_innen für queere Diskussionen in Berlin, eine Einrichtung, die intersektional arbeitet und kostenfreie (!) Beratung, Workshops, Empowerment und vieles mehr anbietet.

Das Unterzeichnen der Petition dauert weniger als eine Minute – deshalb statt weiterer Worte – klickt auf den Link und unterschreibt . Bitte!

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Administrator <![CDATA[Wir sind Klasse]]> http://clararosa.blogsport.de/?p=28 2013-04-16T18:07:19Z 2013-04-16T18:07:19Z Allgemein Dieser Text ist eine Antwort auf die vielen Reaktionen und Kritiken, die auf die überwiegend biografischen Artikel von Klassismus-Betroffenenen folgten.

Auch wenn wir uns als ein kollektives „Wir“ positionieren möchten, wissen wir, dass das nicht in Gänze funktioniert. Uns eint die Erfahrung von Klassismus betroffen (gewesen) zu sein mit dem Bewusstsein, dass verschiedene Klassismen existieren, die sich in ihrer Wirkung unterscheiden (können). Auch sind wir privat und politisch in unterschiedlicher Weise positioniert und in unterschiedlicher Weise (auch) von anderen Diskriminierungs-Formen betroffen.

Das soll erklären, warum in dem folgenden Text kein konsequentes „Wir“ vorzufinden ist und unterschiedliche Sprache verwendet wird.

Da der Text in erster Linie unserem Empowerment dienen soll, haben die Schreibenden jeweils ihre Sprache benutzt, wohlwissend, dass diese nicht unbedingt leicht zu verstehen ist. Da wir einerseits die Authentizität bewahren möchten, uns aber andererseits wichtig ist, dass der Text von möglichst vielen Menschen verstanden wird, haben wir uns als Kompromiss auf Erklärungen und Übersetzungen bei bestimmten Begriffen und Redewendungen geeinigt, diese sind im Text jeweils verlinkt.

„Die Klasse, in die jemand geboren wird, prägt das Verständnis für die Welt und die Zugehörigkeit. Die Klasse bestimmt die Ideen, das Verhalten, Einstellung, Wertigkeiten und Sprache. Sie bestimmt, wie jemand denkt, fühlt, handelt, aussieht, spricht, sich bewegt, (…) sie bestimmt die Arbeit, die wir als Erwachsene machen (…) Klasse betrifft alle Bereiche unseres Lebens (…) In anderen Worten: Klasse ist ein soziales Konstrukt und allumfassend.“
(Donna Langston)1

Inhaltsverzeichnis

  1. Bullshit-Bingo
  2. Lies doch bitte erstmal [Theorie], dann diskutieren wir weiter
  3. Die ersten Anti-Klassist_innen
  4. Juchu, es geht wieder nur um Sprache, the same procedure as last year, oder?
  5. Das Tone-Argument *gähn*
  6. Ihr denkt alle Rassismus nicht mit/Ihr seid alle weiß
  7. Wer war zuerst da? – Henne oder Ei. Oder auch die Sache mit dem Anti-Kapitalismus

Bullshit-Bingo

  • Lies doch erstmal Theoriiiiiiieeeeee (dann reden wir weiter)
  • Aber bedenke doch, was Bourdieu gesagt hat!
  • Klassismus und Ableismus muss man getrennt betrachten
  • Wir sollten aber auch mal ´n bissel wegkommen von der eigenen Betroffenheit.
  • Wenn wir den Kapitalismus nicht hätten, dann gäbe es ja sowas auch gar nicht!
  • Wir haben in unserem Marx-Lesekreis auch Leute, die kein Abitur haben!!1!
  • Wenn du keine Theorie verstehst, bist du halt zu dumm faul.

Lies doch bitte erstmal [Theorie], dann diskutieren wir weiter

Ich finde den Zeitpunkt interessant, an dem sich bürgerliche Empörung über vermeintliche Geschichts- und Theorielosigkeit laut machen will – nämlich da, wo sich ein paar mehr Leutchen zu Wort melden und nicht mehr darum bitten, nicht ignoriert werden zu wollen, sondern deutlich sagen, dass sie keinen Bock mehr haben, die Wut also nicht mehr in zustimmungsgerechten Häppchen serviert wird.

Dabei ist es nicht wichtig, ob die Personen, die plötzlich auf das „richtige“ Wissen pochen, bürgerlich sozialisiert wurden oder bürgerliches Wissen in bürgerlichen Institutionen gelernt haben und (re-)produzieren und als einzig anerkennenswertes an die Welt heran zu tragen. Wichtig ist der Fakt, dass sie es unhinterfragt tun.

Zum einen denk ich die ganze Zeit über die Aufforderung nach, doch jetzt mal die „richtigen“ Theoretiker_innen zu lesen – und auf so ´ne Aufforderungen reagier ich allergisch.

Aber wie! Genau diese Aufforderungen, sich erst einmal das nach bürgerlichen Maßstäben richtige Wissen anzueignen, ist Teil einer feministischen Wissenschaftskritik, die sich nicht vorschreiben lässt, dass das Herrschaftswissen alter Männer (njeknjeknjek -jaja…Polarisierungen…) mehr Gültigkeit hat als Erfahrenswissen. Qualitative Methoden sind eine Errungenschaft, die feministische Forscher_innen ernst nehmen sollten und nicht nur dann anerkennen sollten, wenn sie es bequem finden.

Überhaupt kommt es mir so vor, als würden sehr feine Distinktionslinien (ha! Ich sprech ja auch akademisch, :P :P :P ) zwischen den Themen gezogen werden, bei denen ich das private als politisch heran ziehen darf und wo nicht. Ich lasse jetzt mal Spekulationen darüber, woran das liegt. Dazu hab ich gerade nur gemeine Unterstellungen parat – und das würde wahrscheinlich da auch wieder Leute treffen, die irgendwie „aufgestiegen“ (was soll eigentlich diese „oben“/“unten“ metaphorik?? = letzter scheiß!!) sind und jetzt schön weiter ins vermeintliche „unten treten“ (ich sag jetzt nicht Arbeiterkind und co. Ups,hab ich doch gesagt, naja…).

„Wir haben die Beobachtung gemacht, daß unterschieden wird in „gute“ und in „böse“ Prolos – die Guten sind die Angepaßten mit höherer Schulbildung, die, die nach oben wollen; die bösen fluchen, saufen, schreien, sind undiplomatisch und dumm. Uns etwas Angepaßteren wird auf diese Weise suggeriert: ‚Du bist doch gar nicht so, Du kannst den Aufstieg doch schaffen.‘“
(Gitti, Lynda, Erna, Gabi)3

A pro pros feministische Wissenschaftskritik und Geschichtsschreibung – ich hab das ja schon mal erwähnt: ich les ja ab und zu ein Buch. Ne, Ironie bei Seite: ich mach seit Jahren nix anderes, als die von bürgerlichen Feministinnen verdrängten, gesilencten und ignorierten Geschichten von proletarischen Feministinnen auszugraben.

Diese Geschichten sind ein Schatz! Denn sie zeigen, wie sich Geschichte wiederholt und wie bürgerliche Ausschlußmechanismen funktionieren. Wie der Kapitalismus angepasste Aufstiegsmythen produziert und Menschen, die Klassenverbündete sein sollten zu Klassenfeind_innen macht. Wie lachen, sich zusammen tun und sich nicht an bürgerlichen Werten zu messen und sich gegenseitig zu versichern, dass mensch „trotzdem“ etwas zu sagen hat. Ich profitiere von dem Mut, dem Humor und dem Wissen dieser Frauen* – dafür bin ich jetzt gerade, in dieser Situation dankbarer denn je (einen herzlichen Dank an dieser Stelle an die Zeitzeug_innen, die sich die Zeit genommen haben mit mir zu reden!).

Aus einem dieser Texte habe ich gelernt, dass die Probleme erst dann entstehen, wenn die Bürgerlichen dazu kommen – Forderungen, sich verständlich zu machen, in einer Sprache zu reden, die sie verstehen, die eigenen Empowermentstrategien offen zu legen, kurz: Für die Bürgerlichen transparent, nachvollziehbar und bequem zu sein. Im gleichen Text schreiben die Protagonist_innen (aus dem Kopf zitiert):

„Wir wollen gar nicht so sein wie ihr, wir finden uns nämlich untereinander ganz prima.“

Damit haben sie verdammt recht.

„(…) Klassismus wird ebenso aufrecht erhalten durch ein Glaubenssystem, in dem Menschen aufgrund ihres ökonomischen Status, ihrer Kinderzahl, ihres Jobs, ihres Bildungsniveaus hierachisiert werden. (…) Es ist eine Art und Weise, Menschen klein zu halten – damit ist gemeint, dass Menschen aus der höheren Klasse und reiche Menschen definieren, was “normal” oder “akzeptiert” ist (…).“
(Handbook of Nonviolent Action)4

Die ersten Anti-Klassist_innen

Die „Anti-Klassist_innen der ersten Stunde“ … das war nicht Bourdieu, das waren Arbeiter*innen, die bis heute unsichtbar gemacht werden. Ich vermute, Bourdieu bleibt bis heute nur deshalb sichtbar, weil er sich innerhalb der bürgerlich anerkannten Diskursart bewegte. Ja, er ist ein Betroffener. Dennoch: wenn Bürgerliche ihn verwenden, um Klassismus auszuüben, ist das ein perfides Mittel des Silencing.

„Es gibt schon sehr lange anti-klassistische Bewegungen und Sprecher_innen und das Thema füllt ganze Bibliotheken in den Sozialwissenschaften.“

An dieser Stelle muss eins sich fragen, wie Wissensschreibung funktioniert und welches Wissen „übrig“ bleibt und dass der_die „Wissens“-Transporteur_in es durch eine privilegierte Position schafft und geschafft hat, dass seine Theorien überhaupt in Wissenschaft Einzug halten. Hinzu kommt, dass anti-klassistische Praxen vor allem und nicht nur im Wissenschafts-Kontext stattfinden und stattgefunden haben, jene Stimmen aber – wie ClaraRosa ja oben auch schreibt – weitgehend ignoriert und gesilenct werden und wurden.

Keine der Autor_innen wird bestreiten (und hat bestritten), dass anti-klassistische Bewegungen bereits existieren und existiert haben, nur lässt sich nicht ausblenden, dass diese Bewegungen in linken Polit-Gruppen und der queer-feministischen (Netz-)Szene quasi konsequenz-los bleiben bzw. ein Bewusstsein wenig „sichtbar“ ist.

Es ist außerdem schwierig, die erschienenen biografischen Artikel aus dem Kontext der netz-feministischen Blogosphäre und der queer-feministischen Szene zu heben, wo anti-klassistische Interventionen de facto Mangelware sind. Es gibt also einen Riesenunterschied zwischen der Verfügbarkeit anti-klassistischer Positionen im gesamt-gesellschaftlichen (bzw. akademischen) und der im queer-feministischen Zusammenhang und linken/autonomen Polit-Gruppen, wo ja ein Defizit an Awareness bzgl. Klasse/materieller Privilegien mehr als offensichtlich ist.

„Alle haben (also) das Wissen um soziale Schichten und Klassenhierarchien, aber dennoch wird dieses Wissen auch in der Frauen- und Lesbenbewegung, die sich als politisch, gesellschaftskritisch etc. versteht vielfach geleugnet. Vor allem dann, wenn es um Klassenunterschiede im eigenen Umfeld geht. Einige Frauen versuchen diesen Unterschieden und der Verantwortung für den Umgang mit den eigenen Privilegien dadurch zu entkommen, indem sie sich nach außen hin so geben, wie sie glauben als nicht zur Mittelschicht gehörend identifiziert zu werden. Auch sogenannte „Prolostereotype“ werden dabei ausgelebt: abgerissene Kleidung, kein sichtbarer Luxus, lässige Sprache (wie z.B. möglichst oft „Scheiße“ sagen, Schimpfwörter verwenden) etc. Meist handelt es sich hier lediglich um das Einnehmen einer Protesthaltung gegenüber den eigenen Eltern. Gleichzeitig wird aber ein klassistisches Bild von „Prolo“ transportiert, das zudem in üblicher Mittelschichtsmanier wieder zur Norm erhoben wird.

Ilona Bubeck beobachtet dieses Phänomen besonders in radikalfeministischen und „autonomen Zusammenhängen“. Sie stellt fest: „Durch die Ablehnung von materiellem Luxus werden zum Beispiel Unterschiede untereinender weggewischt und gleichzeitig die zu anderen Frauen verdeutlicht. Frauen aus der Arbeiterklasse, denen verarmtes Aussehen verhaßt ist, wird ihre gute Kleidung zum Vorwurf gemacht, während Secondhand-Klamotten schon als politische Überzeugung gelten. Mitelschichtsfrauen können sich entscheiden ‚arm‘ zu sein, was in der Regel heißt, sich in bestimmter Weise zu kleiden, kaum Luxusartikel zu besitzen und lange Jahre zu studieren, statt abhängig zu arbeiten. (…) Gerade diejenigen, die sich vom bürgerlichen Elternhaus abgrenzen wollen, werfen den anderen ‚Bürgerlichkeit‘ vor. Freigewählte Armut läßt sich leicht leben – die Erbschaft im Hintergrund als Sicherheit wird vor sich selbst und den anderen verheimlicht.“

So werden „zwei Fliegen auf einen Schlag erledigt“: Die eigene Verantwortung wird durch das scheinbare Distanzieren zur eigenen Mittelschichtsherkunft abgeschoben und gleichzeitig wird die eigene politische und moralische Überlegenheit in Form von „politischer Radikalität“ wieder neu gefestigt. Die eigenen Privilegien können in dieser Weise heimlich weiter genutzt, nach außen der Schein von „nicht-bürgerlich“ erweckt und gerade deshalb der Ton wieder angegeben werden: Eine ziemlich praktische Lösung. Mit Anti-Klassismus hat es aber nichts zu tun.“
(Michi Ebner)5

Ein weiterer Punkt ist, dass nicht alle Menschen Zugang zu akademischen Wissen haben, weswegen mit dem Hinweis auf genau dieses „anerkannte“ Wissen, Bildungsprivilegien eingesetzt werden mit dem Ziel, der Person zu vermitteln, dass sie sich doch bitte mal nicht so wichtig nehmen soll. Was ist das dann bitte anderes als klassistische Machtausübung?

Juchu, es geht wieder nur um Sprache, the same procedure as last year, oder?

Apropos Zugang, weil gerade mal wieder angefangen wird, die Debatte auf die Sprachebene zu derailen. Und weil unsere Kritik darauf reduziert wird, als hätten wir uns an der Sprache gestört, anstatt mal den Kontext zu beleuchten, in dem bürgerliches Wissen (= wissenschaftlich/objektiv/neutral/..) auf Erfahrenenwissen (= nicht-wissenschaftlich/subjektiv/persönlich/..) geschüttet wird und das ganz ekelhaftes Silencing ist.

Also Rücklauftaste, und ab von vorne:

Nein, Poverty/Working-Class-Menschen sind nicht per se d*mm, sie sind auch nicht per se ungebildet. Auch sind nicht alle Middle/Upper-Class-Menschen schlau und wissen ’ne Menge.

Stop-Taste. Null neue Erkenntnis.

Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht, wer das behauptet hat. Nur wer mir jetzt ernsthaft weis machen möchte, dass Intelligenz – ähm sorry, das ist ja die allumfassende „Ability“ – alleine ausreicht, um „Schwurbelsprache“ [hey, ich mag das Wort] zu verstehen oder zu studieren oder gar „aufzusteigen“ (gütiger Himmel), der_die hat da irgendwas nicht richtig verstanden.

Bürgerliches Wissen (also known as T.H.E.O.R.I.E !!!!) zu verstehen, ist keine reine Sache des Intellekts. Es ist eine Frage, wie selbstverständlich eins Zugang zu Bildung hat, eine Frage des Settings (Milieu, ups, sorry), in dem du aufwächst. Eine Frage der Sprach- und Szene-Codes. Es ist eine Frage der kulturellen Barierren. Und Geld – huch – spielt auch ’ne Rolle. Komisch, nicht? (Aber gott sei Dank sind wir jetzt auf der rein materiellen Ebene angekommen). Eine Frage der Übung, der Routine, der Geduld, Zeit.

Let’s face it: Es ist ein Handwerk. Es ist eine Frage dessen, ob du und inwieweit du dich für „Schwurbelkram“, der dich interessiert, oder Kultuuuuuur rechtfertigen musst. Nicht, weil das Umfeld, in dem du groß wirst, gemein oder d*mm ist, sondern, weil das Zeug z. B. einfach nie eine Rolle spielt/e oder der kulturelle und sozio-ökonomische Zugang versperrt ist. Ach so, das gehört ja nicht zu Klassismus, pardon. „Fehlende Ability“ oder „D*mmheit“, nicht wahr? Und wenn eins nicht d*mm ist und trotzdem keine Theorie versteht, dann ist das einfach Faulheit! Törööööö! [Faules Arbeiterpack aber auch! Ach von wegen klassistische Stereotype, nicht wahr? „Leistet doch endlich mal was!“, schonmal gehört, nicht?].

„Für meine Arbeit spreche ich zwei Sprachen: eine, die ich für meine Community und Familie benutze und die andere, um mit Mittelklasse-Leuten zu kommunizieren. Bedauerlicherweise wurde meine erste Sprache nicht als “ebenbürtig” angesehen. Ich musste “Zweisprachig” werden, um in der Mittelklasse-Welt akzeptiert zu werden. Wenn ich so rede, wie es mir am leichtesten fällt, beurteilen mich Leute als unintelligent, oder zumindest undeutlich. Diese Beurteilungen akzeptiere ich nicht mehr.“
(Linda Stout)6

Und hey, sollen wir euch mal was sagen: Wir haben eure Texte verstanden, krass, oder? Nur grenzen wir uns von neo-liberalistischen Argumentations-Strukturen wie „jede_r kann alles schaffen, wenn sie_er nur will (und schlau genug ist)“ genauso ab wie von weiteren Derailing-Strategien á la Klassenverrat und … we proudly present:

Das Tone-Argument *gähn*

Merkwürdig, dass das immer noch erwähnt werden muss … Es sollte in der feministischen Szene abgefrühstückt sein, dass das Tone Argument a) eine Derailing-Strategie deluxe b) eine Silencing Methode und c) per se klassistisch ist. Kämpfe wurden noch nie mit freundlichen Worten gefochten. Wenn euch der Ton nicht passt, mit dem Menschen auf ihre Probleme aufmerksam machen (weil sie ansonsten nicht gehört werden) oder damit kontert, doch nochmal zu überlegen, wie eins da grad was gesagt hat … hey, kommt damit klar. Wir tun das auch ;-) Und wenn ihr euch dadurch ausgeladen fühlt: Herzlich Willkommen in unserer Welt! Ihr wisst nun, wie wir uns fühlen.

Ihr denkt alle Rassismus nicht mit/ Ihr seid alle weiß

Mitunter klangen Texte so, als ob hier weiße Antiklassist*innen gegenüber nichtweißen Akademiker*innen stehen und unsere Aussagen nicht die Verschränktheit von Herrschaftsformen mitdenken. Mich nervt dass ich und andere mal gleich wegradiert werden dabei. Im Gegenteil sind gerade rassistisch Betroffene in diesem System Teil der Klassenausbeutung. Dass dann verschiedene Strategien einander gegenüber stehen; zB die nichtweiße Akademikerin gerade deshalb auf eine gewisse Sprache wert legt, weil ihr von Deutschen immer wieder gesagt wurde, dass sie schlecht Deutsch spräche – das ist wichtig mitzureflektieren. Aber es geht für mich als Woman* of Color, die von Klassismus betroffen ist nicht auf, dass dann meine Schwestern mich ausklammern und so tun, als sei dieses Antiklassismus-Ding reine Weißensache.

Wer war zuerst da? – Henne oder Ei. Oder auch die Sache mit dem Anti-Kapitalismus

Dieser Aspekt der Debatte hat uns zugegebenermaßen irritiert, an manchen Stellen aber auch amüsiert, nämlich dort, wo Klassenkampf mit Charity verwechselt wurde (obwohl: wir lieben Süßigkeiten eigentlich ;-) ). Der Vorwurf aus dieser Ecke lautete wohl sinngemäß, dass durch anti-klassistische Interventionen kapitalistische Strukturen (re)produziert und perpetuiert werden. Also, dass wir quasi Anti-Anti-Klassismus machen, oder so ähnlich. Und Marx, ganz viel Marx. Und jetzt Überraschung: Diese und ähnlich geartete Vorwürfe sind uns ganz und garnicht neu und eine Menge toller Menschen haben dazu schon Fantastisches geschrieben (ok, ok, wir wissen nicht, ob z. B. Broschüren wie „Mit geballter Faust in der Tasche“ oder die Texte von Rita Mae Brown als legitimes Wissen anerkannt sind, aber das ist uns auch egal), weswegen wir das nicht selbst tun müssen und wollen:

„Die Unsicherheit der Mittelklasse-Linken drückt sich oft genug darin aus, ArbeiterInnen mit Dampfwalzen von Marx-Zitaten zu überfahren.“
(Kakan Hermansson)7

„Klasse bedeutet weit mehr als die marxistische Definition von Beziehungen im Spiegel der Produktionsverhältnisse. Klasse schließt dein Verhalten, und deine fundamentalen Überzeugungen mit ein; wie du gelernt hast, dich zu verhalten; was du von dir und anderen erwarten darfst; deine Idee von der Zukunft, wie du Probleme verstehst und löst; wie du denkst, fühlst, handelst.“
(Rita Mae Brown)2

Und zuletzt ein Zitat von Samia, wiederverlinkt bei Distelfliege hier:

„Klassismus in revolutionären Gruppen verhindert eine breitere Organisierung. Internalisierter Klassismus verhindert Klassenbewusstsein. Klassismus (innen wie außen) raubt Kraft, die man sonst in den Kampf oder auch in ein schönes Hobby stecken könnte. Und auch wenns dir eh am Arsch vorbeigeht, Klassismus tut weh.“

Chwesta, ClaraRosa, Marlen_e, Samia, Bäumchen



Übersetzungen

  • Let’s face it

    Englisch-sprachige Redewendung, die singemäß bedeutet: „Seien wir doch ehrlich!“ oder „Machen wir uns doch nichts vor!“

  • We proudly present

    Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche: wir präsentieren stolz

  • the same procedere as last year

    Übersetzung aus dem Englischen ins Deutsche: das gleiche Prozedere (= Vorgehen) wie letztes Jahr



Begriffserklärungen

  • Distinktion

    In der Soziologie wird der Begriff der „Distinktion“ verwendet, um die mehr oder weniger bewusste Abgrenzung von Angehörigen bestimmter sozialer Gruppierungen (z. B. Religionsgemeinschaften, Klassen, aber auch kleinere Einheiten wie etwa Jugendkulturen) zu bezeichnen.

    Quelle: Wikipedia

  • perpetuieren = aufrechterhalten, Perpetuierung

    Als Perpetuierung (lat.: perpetuitas = Fortdauer, Stetigkeit, Zusammenhang) wird die Aufrechterhaltung und Fortdauer einer Situation oder eines faktischen (physikalischen und/oder chemischen), sozialen, emotionalen oder rechtlichen Zustands bezeichnet. […]

    Quelle: Wikipedia



Quellen

1 Donna Langston: „Tired of Playing Monopoly?“ in “Readings for Diversity and Social Justice: An Anthology on Racism, Sexism, Anti-Semitism, Heterosexism, Classism, and Ableism“, Herausgeber_innen: Maurianne Adams et al.
2 Rita Mae Brown: „The Last Straw“, zitiert in „Klassismus – Eine Einführung“, Heike Weinbach, Andreas Kemper
3 Gitti, Linda, Erna, Gabi: „Prololesben“ in „Dokumentation der 2. und 3. Berliner Lesbenwoche 1986 und 1987″, Herausgeber_innen: Monika Burgmüller, Sabine Probst, Evamaria Schmidt
4 Handbook Of Nonviolent Action, zitiert in „Klassismus – Eine Einführung“, Heike Weinbach, Andreas Kemper
5 Michi Ebner: „Unscheinbare Grenzlinien – Klassismus in der Frauen- und Lesbenbewegung“ in „Entscheidend Einschneidend – Mit Gewalt in feministischen und lesbischen Zusammenhängen umgehen“, Herausgeber_innen: Michi Ebner, Claudi Coutre, Maria Newald, et al.
6 Linda Stout: „Bridging the Class Divide“
7 Kakan Hermansson: „Die Verachtung der Mittelklasse hat mich zu dem gemacht, was ich bin“ in „Mit geballter Faust in der Tasche“ – Klassenkonflikte in der Linken, Debatten aus Schweden, Herausgeber_in: Gabriel Kuhn, Broschüre

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Administrator <![CDATA[aus aktuellem anlass…]]> http://clararosa.blogsport.de/?p=27 2013-03-14T12:29:04Z 2013-03-14T12:29:04Z Allgemein ..ein zitat der berliner prololesben aus den 1980ern:

boeseundguteprolls

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Administrator <![CDATA[Bambule, Randale, Queer-Radikale!]]> http://clararosa.blogsport.de/?p=26 2013-03-07T10:18:05Z 2013-03-07T10:18:05Z Allgemein Das ist jetzt ein wenig off-topic. Oder eigentlich auch gar nicht. Genau genommen ist es ein Auskotzen. Oder auch die Negativformulierung des letzten Eintrags hier. Wie auch immer.

In einem – bierunterstützen – Gespräch mit einer Genossin (sag ich jetzt mal so) haben wir festgestellt, dass queer-identifiziert-sein sehr oft gar nichts mit links-sein zu tun haben muss.
Deshalb habe ich mir vorgenommen, das ab jetzt dazu zu sagen. Ich-bin-links! Radikal! Ich habe keinen Bock auf Lifestyle-Queer-sein. Auf ein Ansammeln von kulturellem Kapital, dass meinem Selbstwert hilft, gegen alles und jeden zu argumentieren – aber im Grunde kein Interesse an Gesellschaftsveränderung(en) zu haben.

Nach über einem Jahr Blog-schreiben hab ich keinen Bock mehr darauf, Futter für queere Absorptions-und-Wissensreproduktions-Maschinerien zu entwerfen, um dann szeneinternem Gerangel darum zu zu sehen, wer es denn jetzt besser verstanden und die richtige(n) Vokabel(n) hat. Whoa! Ja – ich bin genervt. Und frustriert! Ich sag das noch mal: F- R – U – S – T – R – I – E – R – T! Wütend. Unversöhnlich.

Dieser Text fing mal ganz anders an. Klein(er) gemacht(er). „Hello? Is anybody out there?“ sollte er heißen. Gewundert habe ich mich darin, dass ich sehr viel Kraft darauf verwende, ständig auf Klassismus hinzuweisen und am Ende das übliche konsequenzbefreite Schulterklopfen – wie schon so oft bemeckert: meistens von oben – übrig bleibt.

„Gut, dass das mal wer gesagt…“ und „Toll, dass du dich damit beschäftigst…“- Phrasen, die mit dem formulieren der nächsten Wohnungsanzeige für das 12qm-Zimmer mit Bioessen und taz-Abo für 450 Euro konsequent – vergessen werden. Oder über die Selbsterhöhung der eigenen Demosprüche über die „Stammtischparolen“, die offenbar die Distinktionslinie zwischen von dummen, saufenden, in Kneipen sitzenden Denkunfähigen und ach-so-tollen Politchecker_innen darstellen soll.

Auf Kritik darauf folgt Schweigen. Ich kann nicht mal sagen, ob es betroffenes, belustigtes oder ignorantes Schweigen ist. Wenn es darum gehen soll sich zu überlegen, was denn die Auseinandersetzung mit Klassimsus für einen solidarischen Alltag heißt, hält die ganze Mama- und Papa-finanzierte, Bausparvertrag-versorgte Bande offenbar zusammen – wie sie es gelernt haben: Nicht über ihr Geld zu sprechen verschleiert die soziale Herkunft und Privilegien, Kritik, die wenig Stimme hat kann getrost ignoriert werden.

Ich hab keinen Bock, Texte für Euch zu schreiben. Ich werd keinen Funken Kraft mehr darauf verwenden, mich verständlich zu machen, freundlich zu sein oder mich darum scheren, ob meine Wut verstanden wird oder nicht.

Ich schreib ab jetzt nur noch Texte für UNS. Ja – ich kreiere ein „wir“ – für die Tollen, die jeden Tag darum kämpfen, ihre Miete zusammen zu bekommen – und von Ihren WG´s keine Unterstützung bekommen, weil die gerade das Geld für den nächsten Indien-Südamerika- oder sonstwo- Urlaub zusammen halten „müssen“. Für die, die in Plenas stumm gemacht werden, weil sie die „richtigen“ Vokabeln nicht kennen oder gar nicht erst zu Plenas hin gehen, weil sie so genervt und sprachlos (gemacht) sind. Für die, die keinen Bock mehr haben, zu erklären, dass „Geschmack“ ein Klassenmarker ist. Für die, die genervt sind, dass sie immer gefragt werden, was sie studieren – nicht OB, sondern WAS. Für die, für die politisch-sein nicht nur vorübergehgendes Ansammeln von Lebenslauf-Vorzeige-Credits ist.

Ich will euch kennenlernen! Ich will mich mit euch organisieren und gegen die Kapitalist_innen in unseren eigenen Reihen demonstrieren.

Ich will Krawall. Aber so richtig – bis wir nicht mehr weg ignoriert werden können.

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Administrator <![CDATA[Pause, Rücklauf, Stopp – nochmal von vorn.]]> http://clararosa.blogsport.de/?p=25 2012-12-22T10:38:10Z 2012-12-22T10:38:10Z Allgemein Dieser Artikel wird schwierig. Weil ich mir nicht sicher bin, wie ich das, was ich sagen will schreiben und meinen Kopf sortieren kann. Und wie ich das auch noch konstruktiv machen kann. (Ich steh irgendwo in den Tiefen meines Herzens (Redewendung – RW) sehr auf Harmonie.)
Wenn ich mir aktuelle Diskussionen um Klassimus durchlese, komme ich – ehrlich gesagt – oft nicht mehr hinterher (RW). Das mag daran liegen, dass ich meine Rolle als Netzfeminist_in_Blogger_in nur mäßig wahrnehme/ausfülle – oder daran, dass ich ein paar Sachen nicht mehr verstehe.

Zum Beispiel die Auseinandersetzung um Theorie(sprache). Ich finde es gibt viele theoretische Begriffe, die einen ganzen Wust von Beschreibungen auf einen Punkt bringen (RW) können. „Klassismus“ ist ja so ein Begriff, der eine ganze Palette von Diskriminierungen, Ausschlüssen – und auch Erfahrungen unter einen Hut bekommt (RW). In gewisser Weise haben mich solche „endlich kann ich diesen Wust benennen“-Momente zu einem Theorie-Nerd gemacht. Und vor allem diesen Diskriminierungserfahrungen eine Struktur gegeben – etwas ent-individualisierendes – und einen Namen, mit dem sich die Ausschlüsse benennen lassen. Das ist für mich auch eine politische Sprache, die ein gemeinsames Organisieren vereinfacht und ermöglicht.

Der Vorwurf, das universitäre Sprache – oder wie wir sie manchmal auf internen Listen nennen: Schwurbelsprache – ausschließend ist und schon ganz schön viel mit Klassismus zu tun hat, ist aber eine Kritik, die schon die Feminist_innen in den 1980er Jahren an den Universitäten geübt haben. Sie merkten an, dass eine bestimmte Sprache, die mit einer bestimmten Art zu sprechen vorgetragen wird – leise aber bestimmt, ohne zu stammeln und selbstbewusst, mit vielen komplizierten Wörten gespickt – mehr Gehör findet als andere und auch als „besser“ bewertet wird.

Für mich gibt es unterschiedliche Sprachen, die ich spreche. Sprache ist für mich Strategie – in einer Hausarbeit verwende ich Schwurbelsprache – weil es mir manchmal auch zu mühsam ist, das zu übersetzen. Ich passe mich dem Kontext an. Das das nötig ist, um sich nicht lächerlich zu machen oder überhaupt gehört zu werden oder anerkannt zu werden ist doof genug – aber diese Sprachen sprechen zu können ist für mich ein großer Vorteil. Ein „Vorteil“ den ich mir aneignet habe, der aber auch mit Verlust – zum Beispiel dem Verlernen meines Dialekts – einhergeht.

Der Grat zwischen dem Benennen von Strukturen, dem Aneignen und Bestimmen von Sprache und dem Produzieren von Ausschlüssen ist ziemlich schmal (RW) – ich würde aber sagen, dass universitäre Sprache privilegiertere Sprache ist – sie wird mit mehr Anerkennung verbunden und wird eher gehört. Wenn ich diese Sprache benutze, sollte klar sein, dass damit auch Ausschlüsse produziert werden können.

In Gesprächen mit ebenso theorieverliebten (RW) Freund_innen, haben wir versucht eine Lösung für dieses Dilemma zu finden. Eine Idee war, einen Hinweis zu setzen, welche Sprache in dem Text verwendet wird und für welches Publikum er gedacht ist. Das ist nicht die glücklichste Lösung – weil Annahmen über das, was ein Publikum versteht oder nicht auch wieder heikel werden können – aber es wäre ein Versuch, die eigene Sprache zu verorten.

Das wären einerseits ein paar Gedanken zur Theorie(sprache). Dann habe ich ein Unwohlsein mit Sprachinterventionen – oder der Art, wie damit umgegangen wird.

Ich habe schon ein paar mal meine Unsicherheiten zu Sprachinterventionen erwähnt – einerseits finde ich sensible Sprache als Anerkennungsinstrument wichtig und fordere das Überdenken des eigenen Sprachgebrauchs auch ein. Andererseits habe ich den Eindruck, dass es manchmal nicht um die Auseinandersetzung mit der Diskriminierung geht, sondern um ein moralisch aufgeladenes Kämpfen zwischen denen, die die „richtige Sprache“ benutzen und einem „jetzt-darf-ich-ja-gar-nix-mehr-sagen“-eingeschnappt-sein. Ich habe ein Unbehagen mit einer Sprache, die ein Up-to-date mit „besser“ und noch-nicht-gehört-haben mit „schlechter“ verbindet und ein genau so großes mit Kritikabwehr, weil eine_r der Meinung ist, nicht freundlich genug adressiert worden zu sein oder versucht mit political-correctness-Vorwürfen vom Thema abzulenken.

Noch so ein Dilemma, das mich schon seit Jahren – nicht nur bezogen auf Klassismus – begleitet. Wenn ich das lösen könnte oder einen Vorschlag hätte, wie sich damit umgehen lässt, wäre ich sowas wie ein Genie. Oder ich hätte endlich Superkräfte. Eine meiner Super-Bekannten merkte an, dass es hier vielleicht noch mal Sinn macht, sich ein paar Grundlagen zu gewaltfreier Kommunikation anzusehen – was ich einen genialen Hinweis finde.

Denn das macht mein Unbehagen aus: Dass es bei vielen Diskussionen eine Reproduktion von Gewalt gibt und diese Diskussionen auch gewalttätig geführt werden. Von allen Beteiligten. Das wundert nicht – denn Verhältnisse sind gewaltvoll – aber da muss es doch einen Zwischenweg zwischen Konfliktkultur und gleichzeitiger Anerkennung und Achtung geben – für weitere geniale Hinweise wäre ich hier dankbar.

Ein weiterer Punkt, der mich wurmt (RW), ist, dass mir Leute bezogen auf Klassismus relativ detailliert erzählen können, wie sie materiell deprivilegiert aufgewachsen sind, wie schwierig es war an die Uni zu kommen, wie komisch das Verhältnis zum Herkunftszusammenhang ist und von dort eine Mischung aus Ablehnung und Bewunderung zu erfahren oder in 4 niedrig bezahlten Jobs arbeiten zu müssen und trotzdem gerade so über die Runden zu kommen – und im nächsten Atemzug zu sagen: „Ich bin aber nicht von Klassismus betroffen“. Diesen Turn kenne ich bisher nur bezogen auf Sexismus – und es macht mich hier genau so ratlos wie dort. Vielleicht sollte ich noch mal von vorn erklären, was ich mit Klassismus meine – das kommt in meine Vorsätze für´s neue Jahr.

Mein vorerst letzter Punkt wird kurz und knackig:

Die Auseinandersetzung mit Klassimus ist keine – reine – Sprachsache. Anerkennung ist keine Sprachsache. Anerkennung gibt es nicht ohne Umverteilung von Ressourcen und die Veränderung von Strukturen – und auch nicht ohne Solidarität.

Dass die Diskussion um Klassismus sich nicht in Mikrokämpfen verliert und nicht stehenbleibt, wo sie in den 1980er Jahren schon mal liegen gelassen wurde ist mein Wunsch für 2013.

Und dann hätte ich gern noch – endlich – dieses schöne Leben…..

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Administrator <![CDATA[Erste. ?]]> http://clararosa.blogsport.de/?p=24 2012-10-29T10:05:12Z 2012-10-29T10:05:12Z Allgemein Scusa vorab für ein wenig interne Verweise. (….)

Eine Sache, die mir schon länger auf die Nerven geht, ist das ständige appellieren an den Leistungswillen sozial marginalisierter Gruppen. Nicht nur, dass immer wieder suggeriert wird: Strengt Euch doch mal ein wenig an; — es gibt auch noch Organisationen, die sich als „von unten“ verkaufen (!) und in´s gleiche Horn tuten.
Gerade wieder erlebt bei einer Comic-Ausstellung, die eigentlich empowernd sein soll und am End größtenteils bei der Mär vom AusnahmeKIND an der ach so tollen und erstrebenswerten Uni landet. Mit anwesend: Eine Organisation von und für ArbeiterKINDER (ich HASSE! HASSE! HASSE! es derart paternalistisch [bevormundend] angeredet zu werden!), im hauseigenen Merchandise (in diesem Fall: ein T-Shirt).
Dazu dacht ich mir: Comics kann ich auch – mach ich ´nen eigenen.
(Hab ich auch J. versprochen – Grüße und Küsse.)

erste

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Administrator <![CDATA[Gebt mir was zu lesen (oder so) – bitte!]]> http://clararosa.blogsport.de/?p=23 2012-10-01T11:05:43Z 2012-10-01T11:05:43Z Allgemein Nachdem ich die letzten Tage damit verbracht habe, mich mit der Diskussion um den Sl*twalk zu beschäftigen, ist mir wieder aufgefallen, wie wenig Blogs/Öffentlichkeit/sichtbare Positionierungen es im deutschsprachigen Raum zum Thema Klassismus gibt.
Wie bei so vielen anderen Themen kickt es mich total, wenn ich über Texte/Links/Anmerkungen stolpere, in denen erwähnt wird, dass ich mir das nicht alles ausdenke, sondern dass Klassismus Struktur hat. Dieses „ja-genau-du-hast-so-recht!“-Köpfe-zusammen-stecken, dass von außen wie jammern aussieht, aber diesen tollen, empowernden Effekt hat, sich nicht so wahnsinnig allein zu fühlen.
Das tue ich gerade. Mich allein fühlen. Entkräftet sein. Ich freue mich, dass es Menschen gibt, die diesen Blog lesen und ihn als Informationsquelle für/über Klassismus nutzen. Aber ich wünsche mir mehr. Mehr Blogs. Wortmeldungen. Futter für mein Herz.
Ich bin gerade ausgebrannt und weinerlich und vielleicht liegt es auch am Wetter, dass ich mir gern die Bettdecke über den Kopf ziehen möchte – aber ich würde meinen Winter lieber damit verbringen, Geschichten/Einsprüche/Beschwerden über Klassismus zu lesen, als zu resignieren und mich zurück zu ziehen.
Ich habe diesen Blog aus Wut gestartet. Weil ich dachte ich platz bald, wenn ich nicht meine klassistischen Erlebnisse/Wahrnehmungen aufschreibe und mitteile. Das hat temporär geholfen. Und jetzt brauch ich EUCH. Eure Texte, Eure Wut, Euer Auskotzen.
Wo begegnet Euch Klassismus im Alltag? Wie hat Klassismus Euch geprägt? Was schätzt Du an Deiner Klassenherkunft? …? Bitte schreibt, oder malt oder was Euch sonst einfällt. Sagt mir, dass ich nicht alleine bin. Dass es Euch auch so oder doch ein wenig bis ganz anders geht.
Ich würde mich SO freuen.

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Administrator <![CDATA[I am not a…]]> http://clararosa.blogsport.de/?p=22 2012-09-13T14:37:52Z 2012-09-13T14:37:52Z Allgemein Vorab: Ich zitiere in diesem Text verletzende Zuschreibungen.

Dies wird einer der persönlicheren Texte. Einer, auf den ich nix hören will. Deshalb hab ich die Kommentare gleich mal deaktiviert. Mir ist auch klar, dass das einer der denkbar ungünstigsten Momente ist, diesen Text ´raus zu hauen, aber dieser Text gährt, so holperig, wie er daher kommt, schon seit einem Jahr vor sich hin – und vielleicht kommt es ein wenig unsolidarisch daher, aber je öfter ich „Sl*t“ irgendwo lese, desto dringender wird mein Wunsch, etwas los zu werden.

In Diskussionen um den Sl*tWalk im vergangenen Jahr habe ich gemerkt, dass ich das nicht will. Nicht kann. Mich als „Sl*t“ bezeichnen. Bezeichnen lassen. Es gibt für mich Worte und Beschimpfungen, an denen so viele biographische Verletzungen hängen, dass ich sie mir nicht positiv aneignen will.

Michelle Tea beschreibt im Vorwort zu „Without a net – the female experience of growing up working class“ ein Gespräch mit einem Freund. In diesem Gespräch stellen sie fest, dass weiblich sozialisierte Menschen aus der Working/Poverty-Class anderen Zuschreibungen ausgesetzt waren als männlich sozialisierte; er könne sich wohl nicht vorstellen, wie es sei aufzuwachsen und aufgrund von Armut als dreckig, dumm und promiskuitiv* angesehen zu werden.

Dass Arbeiter_innen eine „abweichende“ Sexualität zugeschrieben wird, stellt auch Heike Weinbach fest. Die Sexualität der Arbeiter_innen gelte als „ „obszön“, „frühreif“, „schmutzig“, „auf Spannungsabfuhr ausgerichtet“ und „auf das Geschlechtliche reduziert““. Einen Höhepunkt an klassistischen Zuschreibung einer – angeblich – ungezügelten Sexualität der so genannten „Unterschicht“ produzierte der Stern 2008. In einer Studie wurde dieser „sexuelle Verwahrlosung“ attestiert.

Diese Studie hat mich schon damals maßlos empört, weil es – klar – DIESE Leute waren, deren Privatleben durch staatliche Abhängigkeitsstrukturen ohnehin schon ständig invasiert werden. Die sich am wenigsten zur Wehr setzen würden, wenn ein Kamerateam in ihre Wohnzimmer latscht und sie zur Belustigung oder zum Entsetzen der pseudo-empörten Bürger_innen zum Pornokonsumverhalten ihrer Kinder befragt – oder diese gleich mit vor die Kamera zerrt. Die gleiche Situation in einem Villenviertel hätte diverse Übergriffsklagen und Gerichtsverfahren zur Folge. Nicht aber hier. Die Grenzverletzungen gelten gegenüber materiell schlecht gestellten Leuten als legitim. Und die Schlüsse, die aus den Beobachtungen gezogen gelten als fix: Arm = „sexuell verwahrlost“. Die Feststellungen darüber, wie „die“ mit ihrer Sexualität umgehen sind endlos.

„Die“ bin in dem Fall auch ich. Und die Ladies, mit denen ich aufgewachsen bin. Die aus dem geschlossenen Heim mussten sich – um überhaupt in ihrer Freizeit aus dem Haus gehen zu dürfen – eine Dreimonatsspritze verpassen lassen. Als könnten sie keine eigene Entscheidung über Verhütung treffen. Oder als würden sie umgehend schwanger werden, sobald sie die Straße vor dem Heim betreten. In dem offenen Heim, in dem ich gelebt habe war das etwas weniger rigoros. Mir wurde immerhin noch zugetraut – die aber trotzdem obligatorische Pille – selbstständig einzunehmen.

Dass sich in einem solchen Klima sexualisierter Zuschreibungen solidarische Strukturen entwickeln könnten – daran war nicht zu denken. Das penible bis panische Beobachten unserer Sexualität übertrug sich auf unseren Umgang miteinander. Endete in Mobbing, Übergriffen und starken Abgrenzungsbedürfnissen gegenüber einem „Schl*mp*“-sein. In den Mädchengruppen, deren Teil ich war oder die ich selber angeleitet habe, gab es darum erbitterte Diskussionen. Ich erinnere mich an erbitterte Diskussionen, in denen ich „Laura Palmer“ (eine damals bekannte Jugendbuchfigur) pädagogisch wertvoll gegen eine Stigmatisierung als „Schl*mp*“ zu verteidigen versuchte. Was darin endete, dass ich – weniger pädagogisch wertvoll – verletzt und wütend meine Pädagog_innenrolle kompetenzbefreit über den Haufen warf – und die Mädchen anschrie, dass ich diese Bezeichnung in dem abwertenden Ton in meiner Nähe nie wieder hören wollte.

Es brauchte ein paar Wochen der Erklärung, persönlichem Geschichten erzählen und emotionaler Aufräumarbeiten, bis wir wieder miteinander reden konnten.

Damals hatte ich kein Wort für kollektive Zuschreibungen oder eine Idee von der Struktur, die diese Zuschreibungen produziert – ich hatte nur Wut. Und Verletzung. Und ich wollte mich und „meine“ Ladies gegen diese Zuschreibungen verteidigen.

Diesen Impuls habe ich immer noch. Ich verstehe die Praxis, in der sich Negativbezeichnungen angeeignet werden, um sie umzukehren. Diese Praxis hat für mich Grenzen. Eine Grenze, an der die Frage aufkommt, wer sich diesen Begriff überhaupt wann und wie positiv aneignet/aneignen kann.

Wie schon oben gesagt: Ich kann es nicht. Und ich werde es nicht. Und die meisten meiner Ladies – wahrscheinlich auch nicht.

*als promiskuitiv werden Menschen – überwiegend weiblich sozialisierte – bezeichnet, die „häufig wechselnde Geschlechtspartner_innen“ haben.

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Administrator <![CDATA[Klassenverbündete*]]> http://clararosa.blogsport.de/?p=21 2012-08-02T09:37:20Z 2012-08-02T09:37:20Z Allgemein In den letzten Wochen habe ich immer wieder Anfragen erhalten, Workshops zum Thema Klassismus zu geben. Das freut mich, weil ich es super finde, dass es Interesse an dem Thema gibt. Leider habe ich nur begrenzte Ressourcen (Zeit, Geld, Nerven), um solche Workshops zu geben. Deshalb habe ich mich mal daran gesetzt, eine Übersetzung einer angefangenen Liste von Überlegungen/Handlungsmöglichkeiten für Klassenverbündete von classism.org zu übersetzen. Ich denke, dass sich diese Liste sowohl eignet, um sie alleine durch zu gehen oder auch mit anderen zu diskutieren.

Da ich das möglichst nah am Original übersetzt hab klingt manches vielleicht ein wenig holprig, aber ich denke, dass die Kernpunkte klar werden:

- Schließe und pflege klassenübergreifende (kategorienübergreifende) Freund_innenschaften

- Nutze die Worte „Klasse“ und „Klassismus“ in Deinen Unterhaltungen

- Sei Dir über die klassenbezogenen Auswirkungen jeder Deiner Entscheidungen bewusst

- Nehme nicht an, dass andere die gleiche Menge an Ressourcen haben wie Du

- Nehme nicht an, dass andere „sich das leisten können“

- Beführworte/Unterstütze das Besetzen von Führungspositionen mit Leuten aus der Armuts- / Arbeiter_innenklasse

- Mache keine Annahmen über die Intelligenz von Leuten, basierend auf Ihrem Aussehen

- Wenn du „nett/freundlich“ immer als positive Eigenschaft wertest und „wütend“ immer als negativ: Frage Dich warum!

- Sei offen über Deine Klassensituation und/oder Herkunftsklasse zu sprechen

- Nimm wahr wen Du warum – und wie – beurteilst. Nimm wahr, welche Urteile Du über Dich selbst befürchtest

- Überlege welche Kleidung Du trägst und warum

- Brich das Tabu und frage andere Leute nach ihrer finanziellen Situation und Klassengeschichte

- Gehe zu Aktivitäten und Veranstaltungen, die außerhalb Deiner „gewohnten/bequemen“ Bereiche liegen

- Sei Dir über Deine Klasse im globalen Kontext bewusst, in Bezug auf wie viel „genug“ ist

- Unterstütze Boykotte und Streiks

- Ermutige jüngere Menschen außerhalb ihrer Klassenschranken zu träumen/denken

- Bewahre eine Grundhaltung, gegen Klassismus und andere Herrschaftsformen zu arbeiten, was sowohl dringend als auch notwendig für eine langfristige Perspektive für Veränderung ist

- Schreibe Leser_innenbriefe

- Sieh Dir Zahlen/Statistiken an, die Ungleichheit beschreiben und behalte sie im Auge

- Wenn Du mehr als genug Geld hast, teile es mit Organisationen, die für Gerechtigkeit arbeiten

- Unterbreche höflich klassistische Witze, Verunglimpfungen oder Vorannahmen

- Biete Alternativen oder korrekte Informationen an, wenn Du klassistische Stereotype oder Mythen hörst (zum Beispiel Hartz IV-Bashing)

Das ist keine „vollständige“ Liste und an manchen Punkten finde ich es notwendig, ausführlicher zu diskutieren (welche Boykotte zum Beispiel unterstützt werden oder das mit den Freund_innenschaften zum Beispiel…) – aber dafür soll sie da sein.

Ich hätte noch eine ergänzende Liste für Aktivist_innen, die Events planen, die ich in den Gruppen, in denen ich arbeite für sinnvoll halte:

- Mache Dir und innerhalb der Gruppe klar, welche Ressourcen Du hast und wie viel Du einbringen kannst/wirst

- Höre anderen zu, wenn Ressourcen geklärt werden

- Achtet darauf, wenn Leute die Ansagen zu ihren Ressourcen überschreiten und fragt warum (gibt es zu wenig Leute? Haben wir falsch geplant?)

- Plant früh (!) und überlegt, welche Ressourcen ihr braucht

- Überlegt, wofür Ihr Geld organisieren könnt/wollt – und warum.

- Überlegt, wofür Ihr kein Geld ausgeben könnt/wollt – und warum.

- Macht diese Überlegungen gegenüber Leuten transparent, die Ihr für Euer Event gewinnen wollt

- Überlegt, wer Eure Zielgruppe ist, wer nicht – und warum

- Überlegt, wie viel szeneinterne Codes Ihr verwendet und wer davon automatisch eingeladen und ausgeladen wird

Auch diese Liste ist endlos erweiterbar und ein Anfangspunkt.

Freue mich über Vorschläge/Ergänzungen/Kritik oder Erlebnisberichte zu Diskussionen.

*Das Konzept „Verbündete“ habe ich über das Institut „Social Justice“ von Leah Carola Czollek, Heike Weinbach und Gudrun Perko kennen gelernt. Es bezeichnet die Möglichkeit, eigene Privilegien zu reflektieren und zu teilen.

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Administrator <![CDATA[Olle Comics endlich mal online]]> http://clararosa.blogsport.de/?p=20 2012-07-12T19:17:20Z 2012-07-12T19:17:20Z Allgemein … ich verspreche ja nun schon seit quasi Jahren, dass ich nicht nur schreibe, sondern auch mal Comics hochlade…
Wie so viele Dinge im Leben schaffe ich es gerade nicht, neues zu produzieren – aber die, die schon fertig sind und auf meinem Desktop ´rumliegen kann ich ja langsam mal online stellen.

Creative Commons Lizenzvertrag
Class Matters von ClaraRosa steht unter einer Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 3.0 Unported Lizenz

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