Archiv für Dezember 2016

Geige spielen mit Cheyenne

Es gibt gerade einen Post auf facebook, in dem die verschiedenen Berliner Bezirke in Ihren – angenommenen – Weihnachtsgebräuchlichkeiten auf die Schippe genommen werden. Kreuzberg wird zum Beispiel das „cosy x-mas dinner with friends“ zugeordnet, Friedrichshain das „erst mal Geschenke holen“ und so weiter. Wedding bekommt „Döner holen“ (!?) und Marzahn: Zoff mit Cheyenne. Cheyenne – wie: Cindy, Mandy, Justin oder Kevin. Es ist inzwischen kein Geheimnis mehr, dass Namen ein Stigma sein können, das einem Zuschreibungen wie „verhaltensauffällig“ und „weniger leistungsfähig“ einhandeln können (die Studie, die das belegt könnt Ihr selber googlen. Kein Bock gerade).
Dass es sich nicht schickt und irgendwie nicht politisch korrekt ist, sich offen über Namen lustig zu machen, die „nicht-deutsch“ klingen ist bei den meisten meiner bürgerlich-linken Freund*innen mittlerweile angekommen. Geht es aber um „Chantal“, „Kevin“, „Justin“, „Cindy“ oder eben „Cheyenne“ – dann gibt es kein halten. Alleine die Namen auszusprechen, am liebsten mit einem möglichst dümmlichen Gesichtsausdruck und lang gezogenen Vokalen („Keeeeviiiin“) kann in der entsprechenden linken Wohlfühl-WG Lachsalven und gesteigerte Heiterkeit auslösen – vielleicht ein bisschen hinter vorgehaltener Hand – weil eigentlich ist einem ja bewusst, dass das gerade ein wenig fies ist, aber da man statistisch sicher gehen kann, dass keines dieser bildungsfernen Blagen im Raum ist oder mitliest… da kann man untereinander schon mal einen vom Stapel lassen. Ist ja nicht so gemeint – wie immer, wenn der Stock im Arsch kurz raus gezogen wird, um damit nach unten zu schlagen.
Natürlich haben die Prolos in Marzahn dann auch noch Zoff, weil: was sollen die schon anderes machen an Weihnachten, als sich gegenseitig auf´s Maul zu hauen und sich anzuschreien. Ich hab gerade nicht den Nerv, das für Euch auseinander zu nehmen. Könnt Ihr auch nachlesen. Zum Beispiel in Owen Jones` „Chavs – the demonization of the Working Class“. Ihr seid doch so schlau. So viel schlauer als Cheyenne.
Ich hab keine Geduld für versöhnliche Worte, das ist ein anger-post, für den ich mich nicht entschuldigen will. So wenig wie für das nicht-mitlachen, das party-poopen und die Spaßbremse-sein. Ich geh jetzt Geige spielen mit Cheyenne.