Archiv für März 2013

aus aktuellem anlass…

..ein zitat der berliner prololesben aus den 1980ern:

boeseundguteprolls

Bambule, Randale, Queer-Radikale!

Das ist jetzt ein wenig off-topic. Oder eigentlich auch gar nicht. Genau genommen ist es ein Auskotzen. Oder auch die Negativformulierung des letzten Eintrags hier. Wie auch immer.

In einem – bierunterstützen – Gespräch mit einer Genossin (sag ich jetzt mal so) haben wir festgestellt, dass queer-identifiziert-sein sehr oft gar nichts mit links-sein zu tun haben muss.
Deshalb habe ich mir vorgenommen, das ab jetzt dazu zu sagen. Ich-bin-links! Radikal! Ich habe keinen Bock auf Lifestyle-Queer-sein. Auf ein Ansammeln von kulturellem Kapital, dass meinem Selbstwert hilft, gegen alles und jeden zu argumentieren – aber im Grunde kein Interesse an Gesellschaftsveränderung(en) zu haben.

Nach über einem Jahr Blog-schreiben hab ich keinen Bock mehr darauf, Futter für queere Absorptions-und-Wissensreproduktions-Maschinerien zu entwerfen, um dann szeneinternem Gerangel darum zu zu sehen, wer es denn jetzt besser verstanden und die richtige(n) Vokabel(n) hat. Whoa! Ja – ich bin genervt. Und frustriert! Ich sag das noch mal: F- R – U – S – T – R – I – E – R – T! Wütend. Unversöhnlich.

Dieser Text fing mal ganz anders an. Klein(er) gemacht(er). „Hello? Is anybody out there?“ sollte er heißen. Gewundert habe ich mich darin, dass ich sehr viel Kraft darauf verwende, ständig auf Klassismus hinzuweisen und am Ende das übliche konsequenzbefreite Schulterklopfen – wie schon so oft bemeckert: meistens von oben – übrig bleibt.

„Gut, dass das mal wer gesagt…“ und „Toll, dass du dich damit beschäftigst…“- Phrasen, die mit dem formulieren der nächsten Wohnungsanzeige für das 12qm-Zimmer mit Bioessen und taz-Abo für 450 Euro konsequent – vergessen werden. Oder über die Selbsterhöhung der eigenen Demosprüche über die „Stammtischparolen“, die offenbar die Distinktionslinie zwischen von dummen, saufenden, in Kneipen sitzenden Denkunfähigen und ach-so-tollen Politchecker_innen darstellen soll.

Auf Kritik darauf folgt Schweigen. Ich kann nicht mal sagen, ob es betroffenes, belustigtes oder ignorantes Schweigen ist. Wenn es darum gehen soll sich zu überlegen, was denn die Auseinandersetzung mit Klassimsus für einen solidarischen Alltag heißt, hält die ganze Mama- und Papa-finanzierte, Bausparvertrag-versorgte Bande offenbar zusammen – wie sie es gelernt haben: Nicht über ihr Geld zu sprechen verschleiert die soziale Herkunft und Privilegien, Kritik, die wenig Stimme hat kann getrost ignoriert werden.

Ich hab keinen Bock, Texte für Euch zu schreiben. Ich werd keinen Funken Kraft mehr darauf verwenden, mich verständlich zu machen, freundlich zu sein oder mich darum scheren, ob meine Wut verstanden wird oder nicht.

Ich schreib ab jetzt nur noch Texte für UNS. Ja – ich kreiere ein „wir“ – für die Tollen, die jeden Tag darum kämpfen, ihre Miete zusammen zu bekommen – und von Ihren WG´s keine Unterstützung bekommen, weil die gerade das Geld für den nächsten Indien-Südamerika- oder sonstwo- Urlaub zusammen halten „müssen“. Für die, die in Plenas stumm gemacht werden, weil sie die „richtigen“ Vokabeln nicht kennen oder gar nicht erst zu Plenas hin gehen, weil sie so genervt und sprachlos (gemacht) sind. Für die, die keinen Bock mehr haben, zu erklären, dass „Geschmack“ ein Klassenmarker ist. Für die, die genervt sind, dass sie immer gefragt werden, was sie studieren – nicht OB, sondern WAS. Für die, für die politisch-sein nicht nur vorübergehgendes Ansammeln von Lebenslauf-Vorzeige-Credits ist.

Ich will euch kennenlernen! Ich will mich mit euch organisieren und gegen die Kapitalist_innen in unseren eigenen Reihen demonstrieren.

Ich will Krawall. Aber so richtig – bis wir nicht mehr weg ignoriert werden können.