Archiv für Juni 2011

Audiostück: *classism is a heartbreaker*

Ein Audiostück von Margret Steenblock und ClaraRosa zum Transgenialen CSD.
In diesem Stück werden klassistische Begriffe und Zuschreibungen ausgesprochen, um sie zu benennen und zu ironisieren!

classism is a heartbreaker

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„Warten auf das Wunderland“ oder: Was ist an einem Plattenbau so lustig?

Irgendein linkes Zentrum, irgendein Event, irgendwo. Wir schauen „Warten auf das Wunderland“ – einen Film über unterschiedliche Utopien zweier und mehr unterschiedlicher Menschen. Empfehlenswert, übrigens.
Die Dokumentation ist in Berlin aufgenommen und längere Sprechpassagen werden mit verschiedenen gefilmten Ecken/Häusern/Projekten unterlegt. Dem Bethanien (einem Hausprojekt). Street-Art. Dem Regierungsviertel. Und auch einem Plattenbau.
Plattenbau. Unterdrücktes Kichern im Publikum. Ein_e vor mir Sitzende_r stupst seine_ihre Sitnachbar_in an. „Ey, biste da aufgewachsen?“. Scheinen beide witzig zu finden. Ich würde gern fragen warum, aber wir sind ja mitten im Film. Wäre irgendwie unhöflich.
Der Film gibt den Witz nicht vor – allein die Reaktion im Publikum macht das Bild eines Plattenbaus zu einem.
Als ehemalige Bewohner_in eines solchen (ein wirklich hübscher, mit langen, offenen Fluren und einzelnen davon abgehenden Appartements, Abenteuerspielplatz in alleine-raus-gehen-dürfen-Nähe, mit einer Nachbarin, von der ich, nicht aus eigener Erinnerung aber aus Erzählungen weiß, dass ich mit meinen 2 Jahren sehr stolz auf die – aus meiner Sicht fehlerfreie – Aussprache ihres 3-silbigen Nachnamens war.. aber das nur am Rande) bin ich irritiert.
Ich möchte gern fragen, was an einem Plattenbau so lustig sein soll. Und warum sich zwischen den vor mir sitzenden ein Witz-Peak dadurch herstellen lässt, sich gegenseitig als „da her“ kommend zu imaginieren.
Was verbinden sie mit einem Plattenbau? Wer wohnt ihrer Vorstellung nach „da drin“ – wenn schon nicht sie selbst? Und warum denken sie, dass sie mit „solchen“ Leuten nichts zu tun haben? So sicher, dass sie in einem Raum, in dem eine Dokumentation über linke Utopien läuft, gegenseitig als nicht „da aufgewachsen“ adressieren können? In der Annahme, die anderen Anwesenden gleich mit belustigen zu können?
Meinereine is auf jeden Fall not amused. Und fürchtet, dass ihr eigenes Wunderland noch ziemlich weit weg ist.

p.s.: „Warten auf das Wunderland“/“Waiting for Wonderland“ ist hier online zu finden.